Die Andacht der „Sieben Freitage von Longeborgne" in der Fastenzeit will die „Sieben Schmerzen" Mariens ehren, unter deren Schirmherrschaft die Einsiedelei steht. An sieben aufeinander folgenden Freitagen strömen die Pilger nach Longeborgne, wobei der Höhepunkt am letzten Freitag vor Palmsonntag erreicht wird. Es ist der „Weiße Freitag", so genannt wegen der weißen liturgischen Farbe, die jene der Fastenzeit ablöst. An diesem Tag wird nämlich die „Muttergottes der sieben Schmerzen“ gefeiert - heutzutage eher als „Muttergottes der Barmherzigkeit“ bezeichnet - entsprechend dem Patronatstag von Longeborgne, der gemäss dem Allgemeinen Römischen Kalender am 15. September gefeiert wird.


Um die Zahl sieben zu erreichen, muss die Reihe der Freitage vor Aschermittwoch beginnen. Die Frömmigkeit gegenüber der Muttergottes, die mitfühlen und ihre Sorgen teilen möchte, hilft uns, die Fastenzeit in Ehren zu halten und uns durch ein christliches Leben auf die Freude des Osterfestes vorzubereiten.
Diese Freitage wurden in Longeborgne durch den Elsässer Laien-Eremiten Franz-Xaver Rieser eingeführt, der 1829 nach Longeborgne kam und 1877 starb. Er hatte Rom mehrmals besucht. Vermutlich brachte Rieser diese Art der Marienverehrung aus Italien mit. Die Liebe der Walliser zu dieser Art der Verehrung beweist, dass sich der tapfere Einsiedler mit seiner Idee nicht geirrt hat.


Der Bischof von Sitten kommt traditionellerweise am letzten der sieben Freitage nach Longeborgne und schliesst die Reihe ab.

hl. Messe an folgenden Freitagen : 21., 28. Februar, - 6., 13., 20., 27., März, - 3. April 2020

 

  • jeweils um 05:45, 8:30 (anstelle von 8:00) und 15:00 Uhr
  • jeweils um 07:45  Uhr und 14:10 Uhr Rosenkranz

 

Die "sieben Freitage vor Palmsonntag" in Longeborgne

 

Die Fastenzeit ist eine Pilgerfahrt

 

Eine Pilgerfahrt ist eine Reise, die aus einem ganz bestimmten Grund von einem Punkt zu einem anderen führt. Ziele können sein: ein Heiligtum, ein Gnadenort, ein Ort voller Erinnerungen, die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln oder im Gegenteil, ein Schritt vorwärts zu einem bestimmten Ziel. Einige Pilgerreisen bedingen das Zurücklegen großer Entfernungen, andere Ziele liegen sehr nah. Einige von ihnen bringen uns mit einer großen Menschenmenge zusammen, wo der allgemeine Eifer der Pilger uns anregt und die gemeinsamen Gebete einen günstigen Rahmen für unsere spirituelle Erneuerung bieten. Andere führen uns in die Wüste, um unserem Gott zu begegnen und um zu erfahren, wer wir wirklich sind und welche Ansichten Gott über uns hat. Es ist eine innere Pilgerreise, die uns bei der Selbsterkenntnis hilft, uns unsere Fehler zeigt und unsere Doppelzüngigkeit oder die zu zögerliche Annahme der Einladung Gottes anprangert sowie uns unsere Unzulänglichkeiten und die enorme Leere in uns bewusst machen kann ...

 

Die Fastenzeit ist eine Pilgerreise - jene von Jesus hinauf nach Jerusalem zu seiner Stunde: „Mit einer Taufe aber muss ich getauft werden, und wie ängstigt es mich, bis sie vollendet ist.“ (Lk 12,50)  Es ist aber auch die Reise der Kirche, die ihrem Erlösers folgt und auf das zugeht, was gleichzeitig unsere Schmach und unsere Herrlichkeit ist: das Geheimnis des Kalvarienberges, der notwendige Auftakt zur glorreichen Auferstehung Jesu Christi. Und das ist in der Tat der Sinn der Pilgerfahrt: vorwärtszugehen, voranzukommen, sein ganzes Leben auf Gott, unser Ziel und unseren Zweck, auszurichten, indem man die geeigneten Mittel ergreift: sein Herz zu bekehren, sich dem Licht Christi zu öffnen, sich der Bewegung der Kirche anzuschliessen, die ihrem Erlöser folgt und die nach ihrer Verbindung mit ihm strebt.  

 

Die Pilgerfahrt weist also einen doppelten Aspekt auf: äußerlich, indem sie uns zwingt, einen Ort für einen anderen zu verlassen, und innerlich, indem wir den alten Menschen in uns aufgeben und den neuen annehmen. Diese Aspekte können wir in der Feier der „Sieben Freitage von Longeborgne" wiederfinden, die unsere Inbrunst beleben und nähren sollen. So nähern wir uns Maria, um von ihr die Gnaden des Mitleids, der Unschuld und der Nächstenliebe zu empfangen, die sich aus dem Opfer ihres Sohnes ergeben. Die Pilgerreise ist vorübergehend und vergänglich: Was bleibt, ist das Reich, das in uns, in der Pfarrei, im Christentum, im ganzen Universum aufgebaut wird. Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit begleitet uns Tag für Tag und bleibt unsere Hoffnung bis zum Grab, wo sie für uns die Gnade der Auferstehung in ihren Händen bereithält.

 

Père François Huot, osb, recteur de l’Ermitage de Longeborgne. Texte original en français dans « Paroisses vivantes », Les Agettes-Nendaz-Salins-Veysonnaz, Mars 2008.